
(DEL/Berlin) TK Sieben Spiele in Folge haben die Eisbären Berlin verloren. Nur einen Sieg konnte der Rekordmeister in den letzten zehn Spielen einfahren. Was sind die Gründe für die aktuelle Krise der Eisbären Berlin?
Seit dem 23.12.2016 wartet die Mannschaft von Chefcoach Uwe Krupp auf einen Sieg. Einen Tag vor Weihnachten gelang den Eisbären Berlin ein knapper 2:1 Sieg gegen die Grizzlys Wolfsburg. Anschließend verlor das Team aus der Hauptstadt sieben Spiele am Stück. In dieser Zeit verzeichneten die Berliner eine Tordifferenz von 11 zu 27 Toren. Während der Negativserie ist nicht nur die direkte Qualifikation für das Playoff-Viertelfinale in weite Ferne gerückt – 17 Punkte trennen die Berliner (Platz 9) von den Augsburger Panther und dem sechsten Platz – nach dem Null-Punkte-Wochenende mit Niederlagen gegen die Straubing Tigers und den Fischtown Pinguins geraten nun sogar die Pre-Playoffs in Gefahr. Wir versuchen einige Gründe für die Krise der Eisbären Berlin zu nennen:
Kaderplanung:
Die Eisbären Berlin sind mit einem sehr schmalen Kader in die Saison 2016/17 gestartet. Nur 19 Feldspieler umfasste die Mannschaft von Uwe Krupp zu Saisonbeginn. Hinzu kamen mit Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charlie Jahnke drei Spieler der Eisbären Juniors, die bei Bedarf zu Einsätzen kommen sollten.
Im Kader befinden sich viele Spieler, die bereits mehrmals mit den Eisbären Meister wurden. Einige Spieler wie Kapitän André Rankel, standen bei jedem Titel auf dem Eis. Doch obwohl der Kern der Mannschaft schon sehr lang beisammen ist und das Gefüge bislang immer intakt zu sein schien, durch eine wirkliche Krise sind die meisten Spieler in ihrer Berliner Karriere nie gegangen. Auch wurde von Seiten des Managements ein Schnitt regelrecht verpasst. Vielleicht vom Erfolg geblendet, vielleicht zu kurzfristig gedacht – aber frisches Blut, der ein oder andere Spieler, der das Gefüge beleben und auch den internen Leistungsdruck befeuern kann, haben die Berliner in den letzten Jahren kaum verpflichtet. Stellvertretend hierfür auch die Aussage von Uwe Krupp vor ein paar Wochen: „Einigen Spielern ging es in den vergangenen Jahren zu gut in Berlin.“ Allerdings konnten auch die s.g. Nachverpflichtungen nicht zünden.
Verletzungspech:
Aufgrund des schmalen Kaders, war von Beginn an klar, dass sich die Berliner in dieser Saison kaum Verletzungen erlauben dürfen. Besonders auf zusätzliche Langzeitverletzte hätte der Rekordmeister gern verzichtet. In der Saisonvorbereitung verletzte sich mit Marcel Noebels einer der Leistungsträger der Vorsaison am Kreuzband und bestritt bislang kein Spiel. Seit Ende Oktober müssen die Eisbären auf Routinier Frank Hördler verzichten. Der Verteidiger sollte mit einer Knöchelverletzung ursprünglich nur vier bis sechs Wochen ausfallen, fehlt nun allerdings bereits seit fast drei Monaten. Auch der Ausfall von Darin Olver, der bis zu seiner Verletzung Topscorer der Berliner war, schmerzt. Deutlich heftiger zu spüren ist allerdings der Ausfall von Jonas Müller. Der 21-Jährige Verteidiger bestritt in seinem jungen Alter bereits 121 DEL-Spiele und ist eine Säule im Aufbau- und Defensivspiel der Eisbären. Seit das Berliner Eigengewächs fehlt, verloren die sie 13 von 17 Spielen.
Special-Teams:
Ein Weg aus der Krise könnten gute Special-Teams sein. Doch die Eisbären Berlin sind das schlechteste Überzahl-Team der Deutschen Eishockey Liga. Mit nur 8,9 Prozent ist ihr Wert unterirdisch. Krupp versucht hier zwar immer wieder die Formation zu ändern, anderen Spielern die Möglichkeit zu geben, doch ein richtiger Plan ist selten erkennbar. Auch in Unterzahl sieht es nicht besser aus. Mit 79,4 Prozent bewegen sich die Eisbären hier auf dem viertschwächsten Rang der Liga.
Faktor Glück:
Seit dem 18.12.2016 ist die Schussquote der Berliner von 8,6 Prozent auf 7,4 Prozent gesunken. Vor allem Nick Petersen ist nach einem starken Saisonauftakt abgekühlt. In den letzten 20 Spielen gelangen dem Kanadier nur drei Treffer, davor traf er in 19 Spielen zehn Mal. Barry Tallackson, der in der letzten Saison 16 Mal traf, konnte in dieser Saison bislang erst zwei Treffer verbuchen.
Die Fangquote der Torhüter hingegen ist mit 91,3 Prozent weiterhin stark. In der Addition erhalten wir einen PDO-Wert von 98,7. Schlechtere Werte haben hier mit den Krefeld Pinguinen (98%) und den Iserlohn Roosters (98,1%) nur zwei Mannschaften aus dem Tabellenkeller.
In der Theorie gehen wir davon aus, dass Fang- und Schussquote einer Eishockey-Mannschaft stark vom Faktor Glück abhängen und beide Werte im Verlauf einer Saison gegen den Wert 100 tendieren. Ist der Wert also niedriger, hat die Mannschaft vermutlich mehr Pech. Eine Mannschaft mit einem Wert deutlich über 100 profitiert meist von „Schuss- und/oder Fangglück“. Mehr über den Faktor Glück erfahrt ihr auf meinem Blog schlittschuhtor.de.
An dieser Stelle sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Eisbären Berlin weiterhin eines der stärksten Teams der Liga bei Fünf-gegen-Fünf sind. Ein Blick auf das Schussverhältnis in der DEL zeigt, dass die Eisbären mit 1.291 Schüssen auf Platz zwei hinter den Adler Mannheim liegen. Insgesamt haben die Berliner ein Torschussverhältnis von 52,5 Prozent und sind damit im oberen Drittel der Liga zu finden. Es wäre also falsch nun alles in Frage zu stellen, aber die Berliner sollten schnellstmöglich wieder in die Spur kommen, um diese Saison nicht komplett im Chaos enden zu lassen.
Bericht: Tom Kanzock
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